Freitag, 24. Februar 2017

ErzieherInnen und Burn - out oder Kinderladen Karoshi




Vor Kurzem haben die ErzieherInnen erneut gestreikt und viele haben sich darüber aufgeregt. In einem Blog wurde gefragt: "Warum sind die ErzieherInnen nicht einfach glücklich und gesund?"

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Glücklich und gesund im ErzieherInnenjob? Geht das? Ist der ErzieherInnenjob doch kein Burn - out - Garant?
Natürlich ist es ärgerlich für Eltern, wenn die Kita geschlossen ist und es keine alternative Betreuung gibt, keine Frage.
Aber, wessen Verantwortung ist das?





In Gesprächen bemerke ich immer wieder, wie wenig Eltern eigentlich über die Arbeitsbedingungen und -strukturen der ErzieherInnen wissen. Das ist schade, denn so wissen die wenigsten, dass das Anstrengende im ErzieherInnenberuf nicht die Kinder sind, auch wenn das viele glauben.
Was wirklich untragbar ist, sind meistens die Strukturen, die man in Kindertagesstätten vorfindet. Wie zum Beispiel im


Kinderladen Karoshi



Die meisten Kindertagesstätten führen ihre Mitarbeiter mittlerweile nach dem Karoshi - Prinzip. Doch es gibt diesen einen Kinderladen, diese eine EKT in Berlin, die hat Karoshi perfektioniert.
Das sind die wahren Meister auf dem Karoshi Gebiet. Von denen bin ich tief beeindruckt. Karoshi ist hier nicht nur ein Prinzip, Karoshi wird hier gelebt.
Aber von vorn.....
Eine EKT ist eine Elterninitiativ Kindertagesstätte, das heißt, die Eltern sind auch gleichzeitig die Arbeitgeber der Pädagoginnen.
Hierfür wurde extra ein Verein gegründet.

Kinderladen Karoshi e.V.

Das ist schon einmal eine recht günstige Voraussetzung, um die MitarbeiterInnen nach dem Karoshi - Prinzip zu führen. MitarbeiterInnen ist an dieser Stelle aber das falsche Wort, denn im Kinderladen Karoshi, da arbeitet man nicht.  Das ist keine Arbeitsstätte, kein Job.  Nein, der Kinderladen Karoshi ist dein Leben, muss er sein, sonst bist du hier falsch. 


Der Kinderladen Karoshi übernimmt Verantwortung für seine MitarbeiterInnen. Er liefert zu dem Lebensinhalt auch gleich eine Familie. 26 Kinder und ihre Eltern: Deine neue Familie. Endlich nicht mehr allein!
Denn, deine Familie ist immer für dich da, auch am Wochenende und im Urlaub! Sie melden sich immer und vor allem regelmäßig bei dir.


Prinzipien und Qualitätsmerkmale in Kitas



Der Kinderladen Karoshi hat feste Prinzipien, Qualitätsmerkmale, wie sie nur die besten Kinderläden haben. Ein Herzstück ist hier zum Beispiel die Partizipation der MitarbeiterInnen.
Die MitarbeiterInnen im Kinderladen Karoshi arbeiten hier nicht nur, sie können ihren Arbeitsplatz mitgestalten und dürfen in den Verein eintreten. Ja, e
s dürfen alle Mitarbeiter in den Verein eintreten, alle, die die gewünschte Meinung vertreten. 
Der Rest...naja....
Der Kinderladen Karoshi will außerdem basisdemokratisch arbeiten, deshalb nimmt der Vorstand seinen Auftrag extrem ernst und reflektiert sein Arbeiten immer wieder. Die Basisdemokratie im Auge, stellt er sich regelmäßig folgende Frage:"Wer ist diese Basis überhaupt?"
Die Antwort ist klar: "ICH!"
Deshalb gibt es im Kinderladen Karoshi 
kein Ankommen immer Bewegung!
Mit jedem neuen Vorstand werden neue, eigene Interessen vertreten. Warum soll man sich durch Qualitätsstandards einschränken lassen? Bei Karoshi will man sich schließlich weiterentwickeln.
Da das nur mit den richtigen Leuten geht, kann nicht jeder Mitglied werden. Vereinssatzung hin oder her.
Dennoch hält Karoshi seine Türen für alle Mitarbeiter offen, alle sind willkommen. Manchmal dauert es nur ein, zwei Jahre, bis alle MitarbeiterInnen ihre Teilhabe im Verein erstritten haben. Karoshi verschreckt begrüßt sie dann, mit einem neu eingeführten Mitgliedsbeitrag für MitarbeiterInnen.
Neben Zeit und Engagement dürfen Mitarbeiter ganz neu auch ihr Geld in den Verein fließen lassen, wenn sie tatsächlich ihren Arbeitsplatz mitgestalten wollen.
Erwähnte ich schon, dass Karoshi nach und nach dein ganzes Leben umfasst? 

Wenn du dann Vereinsmitglied bist, darfst du nur an ausgewählten Wahlen teilnehmen. Ein Verstoß gegen das Vereinsrecht! Doch wer will  kleinlich sein und sich beschweren, denn immerhin, im Kinderladen Karoshi dürfen Mitarbeiter sogar in den Vorstand gewählt werden! 


Passiert das tatsächlich, schützt Karoshi hier abermals seine MitarbeiterInnen: wer als Mitarbeiterin im Vorstand ist, soll sich nicht überarbeiten. Zu bestimmten Sitzungen wird man deshalb einfach ausgeschlossen, Entscheidungen werden ohne die Mitarbeiterin getroffen.
Das Vereinspostfach öffnen und die Post lesen? Nur, weil man jetzt Vorstandsmitglied ist? Als Mitarbeiterin?
Naja, du weißt doch noch, wer die Basis ist, oder?


Im Kinderladen Karoshi wird das Antidiskriminierungsgesetz am Arbeitsplatz sehr ernst genommen. Alle Pädagoginnen verdienen einfach das Gleiche. 25 Jahre Berufserfahrung? Egal, bei Karoshi bekommen alle ein Anfängergehalt.






Die Pädagoginnen unterstützen


Im Kinderladen Karoshi sind die Eltern engagiert. Sie gründen eine Arbeitsgruppe und schreiben das pädagogische Konzept. Die Pädagoginnen brauchen schließlich eine Arbeitsgrundlage und die Eltern unterstützen sie hier nach allen Kräften. Denn, wer könnte wohl ein pädagogisches Konzept schreiben, wenn nicht die Eltern? Ihrer fehlenden pädagogischen Kenntnisse sind die Eltern sich bewusst. 

Die Zeitschrift "Eltern" wird umgehend abonniert, einige lassen sich in Internetforen von anderen Eltern beraten.
Was zu Hause klappt, kann im professionellen pädagogischen Arbeiten ja nicht verkehrt sein, oder?

Im Kinderladen Karoshi wissen aber die Arbeitgeber auch, wann sie etwas lieber den MitarbeiterInnen überlassen sollten, weil es ihnen hier an Kompetenz fehlt. Ein umfangreiches pädagogisches Konzept zu schreiben, das mag noch gehen. Aber ein Arbeitszeugnis von drei Seiten? Unmöglich! Das bringt einem selbst nix. Das soll wirklich gut werden, deshalb soll sich das die Mitarbeiterin lieber selbst schreiben.
Da isser wieder, Karoshi.


Wichtig: Work - Life - Balance



Im Kinderladen Karoshi sind die ArbeitgeberInnen stets auch an der Work - Life - Balance der Mitarbeiter interessiert. Einfach und selbstverständlich Mehrarbeit, die z.B. durch eine Kinderladenreise entsteht, vergüten?
Zu plump. 
Karoshi geht auch hier einen Schritt weiter. Den MitarbeiterInnen wird die Arbeitsreise bezahlt. Selbst ein eigenes Zimmer bekommen sie. Mit Bett. Wer wollte da noch die eigentliche Arbeit vergütet bekommen?
Du solltest mal sehen, wie erholt, ja zum Teil braungebrannt die Pädagoginnen von so einer Kinderladenreise wiederkommen.

Und selbstverständlich geht es nicht ins Berliner Umland. Nein, eine Reise mit kleinen Kindern macht nur Spaß, wenn man auch wirklich ganz lange Zug fährt. Und auch mal umsteigt.
Das wissen alle Eltern. Deshalb fährt man bei Karoshi am liebsten lange und weit weg. Und da man bei einer Reise mit vielen Kindern optimal entspannen kann, braucht man hier auch nicht viel Betreuungspersonal. Klar, oder?
Manche Pädagoginnen kriegen dennoch den Hals nicht voll. Den wirklich gierigen Mitarbeitern gewährt man dann doch, sich ein paar Überstunden zu notieren.
Das ist ganz neu, noch vor kurzem hatten die MitarbeiterInnen nur ihre vertraglich geregelten wöchentlichen Arbeitsstunden notieren dürfen. Der Rest war Ehrenamt.


Im Kinderladen Karoshi ist man sich im Vorstand einig: Karoshi ist eine Intergrationskita.
Da möchte man alle Kinder mit Beeinträchtigungen herzlich einladen, schließlich bringen die Geld Vielfalt in die Kita und die eigenen Kinder sollen ruhig auch mal ein "paar Behinderte kennen lernen. Wäre das nicht ganz gut für die Entwicklung unsere Kinder?"
Wie gemeinnützig, dieser Verein!
Sollten die Beeinträchtigungen der Integrationskinder aber bestehen bleiben, nachdem die erste Neugier gestillt ist, wird der Vorstand ungeduldig.
In der offenen Kommunikation, die bei Karoshi gepflegt wird, wird den ErziehrInnen Druck gemacht Unterstützung angeboten.
Dass die Kinder über so langen Zeitraum "besonders" bleiben, das war so nicht gedacht.

Arbeit macht keinen Spaß, Papierkram auch nicht. Da gönnt man sich mal was, als Vorstand im Kinderladen Karoshi. 
Hier gibt es nämlich eine Bürokraft. Die erledigt alle Aufgaben, die sonst der Vorstand machen müsste.
Das geht, denn Karoshi weiß, wie man sparen kann: Das Geld sinnlos für eine Hauswirtschaftskraft ausgeben? Aber nein!
Hier arbeiten nur Toppädagoginnen, die machen das alles nebenbei. Wäsche waschen und aufhängen, die Küche nach dem Mittagessen reinigen, Geschirrspüler ein- und ausräumen und Vesper vorbereiten.
Kein Ding.
Was zu Hause mit einem Kind geht, kann im Kinderladen zu zweit mit 26 Kindern auch nicht schwierig sein, oder?


Die richtige Mitarbeiterführung ist entscheidend



Sowieso wird Mitarbeiterführung bei Karoshi groß geschrieben. So finden zum Beispiel regelmäßig Mitarbeitergespräche statt. Hier wird freundlich darauf hingewiesen, dass Karoshis Familienstruktur von allen mitgetragen werden sollte.

Der Vorstand vom Kinderladen Karoshi musste schon einige Unmöglichkeiten hinnehmen. Eine Mitarbeiterin war bei Karoshi vollkommen falsch. 
Sie hatte eine Familie und wollte keine weitere. Das geht bei Karoshi nicht. 

Du weißt ja, Karoshi = Lebensinhalt und Familie. Da kann man nicht aus der Reihe tanzen.

Besagte Mitarbeiterin trennte sich von ihrem Freund und...... besprach das nicht mit ihrem Arbeitgeber! Vertrauensbruch, Enttäuschung und, klar, Mitarbeitergespräch.
So geht's ja nicht! 
Je weniger die Erzieherin im privaten Kontext geben wollte, desto mehr wollte Karoshi von ihr. Manchmal klingelte noch Abends um halb zehn ihr Handy. 
Aber sie wollte nicht, über die Arbeit hinaus, Teil der Karoshi - Familie sein. 
Sie grenze sich z.B. deutlich von Überstunden ab, denn die bereits gesammelten Überstunden, konnte sie sowieso niemals abbauen. 
Und dann, beim Laternenfest ging sie nach 9 1/2 Arbeits- und 3 1/2 Überstunden einfach nach Hause. Zu ihrer Familie.
Und sie schrieb die Arbeitsstunden auch noch auf! 

Dabei hat es doch so viel Spaß gemacht und sie hatte sogar einen Glühwein bekommen! Und ein Martinshörnchen. Das war enttäuschend!
Denn war es nicht auch für sie mehr Vergnügen als Arbeit?
Du weißt, was jetzt kommt, oder?


Der richtige Umgang mit Konflikten



Richtig, muss man ansprechen: Mitarbeitergespräch. "Pädagogisch und fachlich alles sehr gut...bla bla.....aber Karoshi.....bla bla.....Familie.....bla bla.....Enttäuschung..... 
Dann wurde die Mitarbeiterin auch noch krank.
Was sollte Karoshi da machen?
Klar, was man immer macht: Kündigen. So macht man das doch in Familien: Bei Konflikten, die Personen einfach austauschen, dann läuft es wieder.
Bäm, KAROSHI!
Übrigens, im Kinderladen Karoshi werden eigentlich keine Kinder betreut, dafür haben die Pädagoginnen keine Zeit, denn die betreuen ja schon ihre Eltern.
Ganztags.

Wenn du jetzt neugierig geworden bist, gerne über deine Schmerzgrenze gehst, auch sonst für Extreme zu haben bist oder dich Nahtoderfahrungen interessieren, kann ich gerne den Kontakt zu Karoshi für dich herstellen.
Deine Chancen stehen gut, denn Karoshi braucht immer Frischfleisch!


Auch wenn er nicht Karoshi heißt, aber den besagten Kinderladen gibt es wirklich. Warum ich darüber schreibe? Weil Karoshi kein Einzelfall ist und mich die Strukturen und Arbeitsbedingungen, das ständige nicht Einhalten von professionellen Ebenen in Kindertagesstätten so sehr ärgert!


Und was ärgert dich als Elternteil oder Pädagogin im pädagogischen Kontext so richtig?

Hier erfährst du: WAS IST KAROSHI?




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